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Golf aus medizinischer Sicht

22. März 2017
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Golf: Sportmedizinische Fakten

Bei einer Runde über 18 Spielbahnen/Löcher, deren Länge zwischen 329 Meter (Par 3) und 650 Meter (Par 5) für Herren sowie zwischen 192 Meter (Par 3) und 576 Meter (Par 5) für Damen variieren kann,ergibt sich eine Gesamtlänge der Spielbahnen von circa 6.000 Meter.Die tatsächlich vom Spieler zurückgelegte Distanz kann aber zwischen 6,5 und 10 Kilometer liegen und dauert etwa fünf Stunden.Der Sportler verbraucht bei einer Runde bis zu 1.500 Kalorien und kann bis zu einem Kilogramm Körpergewichtverlieren. Die gemessenen Pulsfrequenzen liegen dabei nie unter 100 pro Minute, teilweise treten Spitzenwerte bis zu 150 pro Minute auf.Von unseren insgesamt 434 Muskeln werden beim Golfspielen 124 dauerhaft beansprucht.Der Kreatininkinase-Wert (CK) als Hinweis für Muskelarbeit steigt im Vergleich zum normalen Gehen um 100 Prozent, was man eigentlich nur bei Sportarten mit höheren Belastungen wie beispielsweise dem Rudern beobachtet.Lungenfunktionsprüfungen ergaben eine um 20 Prozent höhere Leistungsfähigkeit gegenüber untrainierten Menschen, auch sinken die Cholesterin- und Triglyceridwerte um 15 Prozent.Als wissenschaftliche Begründung dieser Stoffwechselreaktionen werden hohe mentale und koordinative Anforderungen beim Golfspielen geltend gemacht.Golfsport führt also zu einer Dauerbelastung, jedoch ohne risikoreiche Spitzen.Diese medizinischen Faktoren zeigen, dass Golf auch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen gut geeignet ist, ernst zunehmende Komplikationen beziehungsweise Risiken treten praktisch nicht auf.Golfspielen setzt allerdings hohe koordinative und mentale Fähigkeiten voraus.

Akute Verletzungen

Erfreulicherweise sind akute Verletzungen beim Golf eher selten zu beobachten.Ursache für Verletzungen  ist insbesondere bei Anfängern eine fehlerhafte Technik mit hackenden Schlägen in den Boden.Schwerere Verletzungen sind äußerst selten und betreffen in erster Linie Rumpf und Schädel  durch die Wucht des Aufpralls des Golfballs oder durch einen Schlag  des Schlägers auf einen Körperteil.Ebenso treten meist durch fehlerhafte Ausübungen Prellungen und Stauchungen des Schlagarms, Kontusionen im Bereich des Schultergürtels, des Rückens sowie des Rumpfs auf,außerdem Distorsionen im oberen wie unteren Sprunggelenk.

Chronische Verletzungen

Im Vordergrund der sportorthopädischen Betrachtung stehen die chronischen Verletzungen des Golfspielers der oberen und unteren Extremitäten sowie der Wirbelsäule.Bei allen im Folgenden aufgeführten sportartspezifischen Verletzungen ist eine exakte Diagnosestellung die Voraussetzung für eine effiziente Therapie, Rehabilitation und Prävention.Hier sollte auch beim älteren Sportler nicht versäumt werden, entsprechende Voruntersuchungen auch im Sinne einer Prophylaxe durchzuführen.Neben einer eingehenden klinisch-orthopädischen Untersuchung  sollten gegebenenfalls auch technische Untersuchungen zum Einsatz kommen.

Chronische Verletzungen an den oberen Extremitäten

1. Golferellenbogen

Epicondylitis ulnaris  oder Epicondylitis radialis

Ursache: Überbelastung infolge verkrampfter oder fehlerhafter Schlägerhaltung

Maßnahmen: Wichtig ist hierbei wie bei allen Sportverletzungen die effektive Prophylaxe,die durch eine Optimierung der Grifftechnik  und regelmäßiges Training erreicht werden kann.

2. Golferschulter

•Bizepssehne •Rotatorenmanschette •Bursitis subacromialis •Acromialclaviculargelenk

Ursache: Im Vordergrund stehen die stereotypen Bewegungen des Golfschwungs, die dann zu einem Überlastungssyndrom führen. Meistens sind auch degenerative Veränderungen zu berücksichtigen.

Maßnahmen: Als wohl wichtigste Maßnahme für den Sportler gilt hierbei die Schonung und Prophylaxe, die vor allem aus der Optimierung der Schwungtechnik besteht, die wiederum nur durch Training erlernt werden kann.

3. Handgelenksbeschwerden

•Tendonitiden •Synovitiden

Chronische Verletzungen an den unteren Extremitäten

•Hüftgelenk: Tendopathien am Trochanter major (Bursa trochantercia)

•Knie: Innenmeniskusirritationen, -rupturen und Innenbandirritationen

•Oberes Sprunggelenk: Dehnung des fibularen Kollateralbandes

•Achillessehne: chronische Achillodynie

Ursache hierfür sind die Bewegungsabläufe, die beim Golfschwung durchgeführt werden, hier auch wiederum oft ausgelöst durch einen fehlerhaften Schwung mit folgender Fehlstellung.Insbesondere sei an dieser Stelle die Valgusstellung mit Rotation des Kniegelenks erwähnt, was zu Meniskusreizungen beziehungsweise zu Reizungen des Innenbandes führen kann.Eher selten treten bei abrupten Bewegungen und Rotationen Einrisse am Meniskus auf.

Chronische Verletzungen an der Wirbelsäule

Der beim Golfsport wohl am meisten strapazierteste Körperteil ist die Wirbelsäule. Hauptlokalisation ist die Lendenwirbelsäule, gefolgt vom cervicothorakalen Übergang.Ursächlich kommen die beim Golfsport immer wieder auftretenden Fehlhaltungen der Wirbelsäule in Betracht wie Rundrücken, Hohlkreuz und Rotationen, meist hervorgerufen durch den spezifischen Bewegungsablauf beim Golfschwung.Zu berücksichtigen sind vor allem beim älteren Sportler parallel schon vorhandene degenerative Veränderungen.Ein besonderes Hauptaugenmerk sollte auf die Erhebung einer Muskelfunktionsanalyse der Rücken- und Bauchmuskulatur gelegt werden. Anhand eigener Untersuchungen bei Golfspielern (Amateure bis Profis)konnte festgestellt werden, dass schon nach zwölf Trainingseinheiten eine Verbesserung des Handycaps erreicht werden konnte.

Spezielle orthopädische Probleme

Immer wieder kommt die Frage auf, ob Golf auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparates wie beispielsweise mit einer Hüft- oder Knieprothese oder auch nach einer Bandscheibenoperation ausgeübt werden kann.Aus Erfahrung hat sich bei diesen Krankheitsbildern bewährt,im Rahmen einer Rehabilitation schon drei bis vier Wochen nach dem erfolgten operativen Eingriff sportartspezifische Bewegungsabläufeund damit Belastungen in die Therapie mit einzubauen.Zu Beginn sehr wichtig ist das Üben der beim Golf notwendigen Haltungen und Schwungtechniken, gegebenenfalls modifiziert entsprechend den Krankheitsbilderngegenüber dem Normalen beziehungsweise dem vorher Gewohntem.Nach freigegebener Vollbelastung und guter muskulärer Stabilisation erfolgt eine kontinuierliche Steigerung der Belastung mit den sportartspezifischen Bewegungsabläufen der gesamten Schwungtechniken.Voraussetzung hierfür ist ein Behandlungsteam bestehend aus Arzt, der möglichst diese Sportart und dessen Bewegungsabläufe kennen sollte, Physiotherapeut und Trainier (bei Profis).Besonders wichtig ist dabei, dass der Golfer die Schwungtechniken dem vorliegenden Krankheitsbild entsprechend modifiziert.Neben den aufgezeigten Säulen von Physis und Technik sollte aber auch nicht vergessen werden, dass der Erfolg eines Golfspielers bis zu 90 Prozent auf psychischen Faktoren beruht.Golf ist derzeit wohl die Trend- und faszinierende Sportart unserer Zeit.So faszinierend vielleicht, weil der Sportler in einer einzigen Runde praktisch durch die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen schreitet: Freude, Stolz, Größenwahn, Verzweiflung, Demut.Grund für den zunehmenden Golfboom ist wohl auch, dass dieser Sport in jeder Altersklasse betrieben werden kann.Vom Kind, das sich mental, ungehemmt, locker, spielerisch mit Golfschläger und Ball bewegt, bis zum Senior, der sich oft erst im höheren Lebensalter fürs Golfspiel entscheidet,da sich kaum eine andere Sportart den individuellen körperlichen Voraussetzungen des Menschen so gut anpassen lässt und somit auch von Menschen mit durchgemachten und bestehenden Erkrankungen des Bewegungsapparates oder mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgeübt werden kann.

Für eine ausführliche kompetente Aufklärung oder Untersuchung stehe ich gerne in meiner Privatordination in Villach, Backsteingasse 8, zur Verfügung.

Um telefonische Terminvereinbarung unter 0664 302 95 75 wird gebeten!

Ihr Dr.Martin Herzeg

 


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